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Salzburg Museum: Sonderausstellung

„Ich gehöre nirgends mehr hin!“
Stefan Zweigs „Schachnovelle“ – Eine Geschichte aus dem Exil

Im Zentrum steht das letzte Werk, das Stefan Zweig fertig stellen konnte: die berühmte Schachnovelle, Zweigs letztes Manuskript, das er einen Tag vor seinem Suizid in Petrópolis zum Postamt gebracht hat.
Ort der Handlung der Erzählung ist ein Passagierschiff auf der Route von New York nach Buenos Aires. An Bord dieses Schiffes treffen zwei Personen aufeinander: der Schach-Weltmeister Mirko Czentovic und der Wiener Rechtsanwalt Dr. B. Von schachbegeisterten Mitreisenden wird ein Schach-Kampf zwischen den beiden organisiert, und das Unwahrscheinliche tritt ein: Dr. B. besiegt den Weltmeister. Aber wer ist Dr. B.? In der Binnenhandlung der Novelle erzählt Dr. B. seine Lebensgeschichte. Im März 1938 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet, wo er monatelang im ehemaligen Wiener Hotel Métropole eingesperrt und viele Male verhört worden war. Aus einer Manteltasche eines Wachbeamten konnte der Häftling ein Schach-Buch entwenden, mit dem er sich das Schachspiel beigebracht hatte, und in der Folge -  im Spiel gegen sich selbst - in einen wahnhaften Zustand geraten war, in seiner Zelle randalierte. Vom Wachpersonal abgeführt, zertrümmerte er auf dem Flur eine Glasscheibe, wobei er sich am Unterarm schwer verletzte. (Wollte sich Dr. B. womöglich in suizidaler Absicht ins Treppenhaus stürzen? Viele Häftlinge versuchten dies aus Angst vor den brutalen Foltermethoden der Gestapo-Beamten in diesem Haus.) Zur Pflege der Wunde kommt Dr. B. in ein Krankenhaus, von wo ihm mit Hilfe eines Arztes die Flucht aus Österreich gelingt. Auf dem Schiff nach Argentinien, nach dem für alle unerwarteten Triumph über den Weltmeister Czentovic, wird Dr. B. von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein zweites Spiel muss abgebrochen werden, denn Dr. B. fällt zurück in den psychotischen Zustand, in seinen „Schachwahn“, wie er es selbst nennt. Er hat zwar den Weg ins Exil gefunden, aber die Traumatisierung durch die Haftzeit wird Dr. B. nicht mehr los.
Die Schachnovelle ist die einzige Erzählung Stefan Zweigs, in der er zeitgenössische politische Verhältnisse Österreichs darstellt. In den Szenen, die im ehemals luxuriösen Wiener Grand-Hotel „Métropole“ spielen - seit dem März 1938 „Gestapo-Leitstelle Wien“, Ort grausamer Folterungen von Nazi-Gegnern -  hat Zweig den Opfern des Faschismus ein Denkmal gesetzt.
Das Modell dieses (nach dem Krieg abgerissenen) Hotels und seine Geschichte sind Teil der Ausstellung, einige Dokumente und Film-Ausschnitte beschäftigen sich mit diesem Ort des Schreckens.
In mehreren Vitrinen werden Typoskripte, Erstausgaben und Dokumente der „Schachnovelle“ gezeigt, man kann auch Ausschnitte aus dem 1960 entstandenen Film „Schachnovelle“ (mit Curd Jürgens und Mario Adorf) sehen und mit Kopfhörer Passagen aus der Novelle anhören. Ein brasilianischer Dokumentarfilm bringt Interviews mit Zeitzeugen, einigen Bekannten Stefan Zweigs aus seiner brasilianischen Zeit.
Beim Eingangsbereich wird noch einmal der Bezug zu Salzburg hergestellt: Ein großes Foto des Zweig-Hauses am Kapuzinerberg ist zu sehen, dazu Zitate aus Briefen, in denen Zweig die antisemitische Atmosphäre in Salzburg beklagt.
Darüber hinaus sind einige Vitrinen einzelnen Themen gewidmet, die während Stefan Zweigs Exil-Jahren eine Rolle spielten: zB seine Freundschaft mit Sigmund Freud, seine Zusammenarbeit mit Richard Strauss, sein Engagement für ein geeintes Europa, seine Hilfsbereitschaft für jüdische Flüchtlinge. Auch eine Reihe persönlicher Dokumente, vom Reisepass bis zum Abschiedsbrief sind zu sehen.

Kuratoren der Ausstellung: Klemens Renoldner, Gestaltung: Peter Karlhuber

zu sehen von 3. März bis 28. Mai 2017 


mehr Infos auf der website Salzburg Museum
Neue Residenz
5020 Salzburg

Stand: 20.2.2017, Verena Braschel