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Kinder & Jugend
bivak.mobil

40 Jahre Städtische Jugendberatung bivak.mobil

Von der "Burschenberatung" im Gasthaus zur professionellen Einrichtung

Zu einer wahren Erfolgsgeschichte hat sich in den vergangen Jahrzehnten die Jugendberatungsstelle der Stadt Salzburg entwickelt. Um jungen Menschen den Zugang zu sozialen Hilfemaßnahmen zu erleichtern, wurde 1973 beim Jugendamt eine eigene Anlaufstelle eingerichtet. Schon damals waren Teenager mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, bei deren Lösung sehr oft professionelle Hilfe benötigt wurde. Die Gründung der Beratungsstelle war ein sehr wichtiges Mosaiksteinchen im sozialen Hilfsnetzwerke der Stadt Salzburg, wenn auch der Beginn etwas kurios war. Nachdem Jugendliche nicht gerne ins Amt kamen, weil bei damaligen Gesprächen aufgrund der räumlichen Beengtheit ein Amtsvormund und eine Sekretärin unfreiwillig „mithorchten“, wurden die Betreuungsgespräche vorübergehend ins Gasthaus verlegt...


Noch im selben Jahr öffnete unter dem Namen „Burschenberatung“ in der Linzergasse 72 eine Beratungsstelle ohne Amtscharakter. Eine lockere und jugendgerechte Atmosphäre sollte die Beratung im Gasthaus obsolet machen und den Zugang zu jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen erleichtern. Das Konzept gefiel bald nicht nur Burschen, nach und nach kamen auch Mädchen. 1979 bekam die „Burschenberatung“ einen zweiten, zwei Jahre später einen dritten Sozialarbeiter. Die Räumlichkeiten wurden erweitert, um den Übergang zur allgemeinen Beratungsstelle für Jugendliche beiderlei Geschlechts zu markieren. Die so neu gestylte Einrichtung wurde auf den Namen BIVAK (Beratung, Information, Vertretung, Aktion, Kommunikation) getauft.

Verschmelzung zu bivak.mobil
Anfang der 90er Jahre wurde das Angebot durch mobiles Streetwork mit einer weiteren niederschwelligen Anlaufstelle für Jugendliche in der Festungsgasse vergrößert. Jugendgruppen am äußeren Rand der Gesellschaft direkt an ihren Treffpunkten aufzusuchen und zu beraten, war in den Neunzigern eine Neuerung der Jugendarbeit, die das Jugendamt der Stadt Salzburg anbot.
2003 wurden Streetwork Salzburg und die Jugendberatungsstelle BIVAK zu bivak.mobil zusammengeführt. „Beratung über den Tresen“, die Jugendberatungsstelle als Jugendcafé, von Jugendamts-SozialarbeiterInnen geführt, erwies sich als ein gelungenes, bis heute praktiziertes Konzept. 2008 erfolgte die Übersiedelung von den damals schon legendären Standorten Linzergasse 72 und Festungsgasse 4a in die Plainstraße 4. 

Steigende Akzeptanz
Die Betreuungsarbeit begann 1973 mit einem Sozialarbeiter und zehn Jugendlichen. Das Interesse der Teenager, Eltern und Institutionen an dem neuen städtischen Angebot stieg in der Folgezeit rasant an. „1979 waren bereits ca. 2.000 Besuche zu verzeichnen, 1982 wuchs diese Zahl auf rund 6.000 an und erreichte Ende der 1980er Jahre rund 11.000 Besuche“, erklärt BIVAK-Leiter Pavo Janjic-Baumgartner.

Dies war aber nicht die einzige Veränderung. In dieser Zeit stieg die Zahl jener Jugendlichen an, die eine intensivere Betreuung benötigten. „Wir erlebten, dass sich unsere Arbeit immer mehr zur konkreten Einzelfallhilfe wandelte.“ Dies veränderte auch die Dokumentationspraxis. Nach Inkrafttreten des Jugendwohlfahrtgesetzes 1989 und der Kinder- und Jugendwohlfahrtsordnung 1992 wurde auch im BIVAK eine „fallbezogene“ Statistik eingeführt. So wurden beispielsweise im Bereich der Erziehungshilfen (ambulante und stationäre) in den 90er Jahren jährlich zwischen 10 und 13 Fälle gezählt, 2005 waren es 25 und 2012 90 Fälle jährlich. „Geschlechtsspezifisch gibt es heute keine großen Unterschiede - einmal sind es mehr Mädchen, dann wieder mehr Burschen“, weiß Janjic-Baumgartner.

Die Tätigkeitsveränderung von bivak.mobil hängt auch damit zusammen, dass in den 80er Jahren die Einrichtung die einzige Anlaufstelle in der Stadt war, die sich mit allen Belangen der Jugendlichen beschäftigt hat. Damals gab es auch noch keine Kinder- und Jugendanwaltschaft. „Das hat sich mittlerweile gravierend geändert, da viele Spezialeinrichtungen in den vergangenen Jahren entstanden sind (mädchenspezifische Einrichtungen, Freizeitprojekte, berufsspezifische Einrichtungen). Wir können mit Stolz behaupten, dass das BIVAK bei der Entwicklung vieler dieser Einrichtungen entscheidend mitgewirkt hat.“

Die 2010 veröffentlichte „Shell-Jugendstudie“ (Studie über die Lebenssituation von Jugendlichen in Deutschland) zeigt, dass es in den letzten 15 bis 20 Jahren zu einer Polarisierung bei den Jugendlichen gekommen ist. Der größte Teil ist angepasst, wie man das von keiner Generation zuvor kannte. An die 15 % gehören aber zu den Verlierern. Sie stammen meist aus instabilen Verhältnissen und geraten während der Pubertät und im frühen Erwachsenenalter noch einmal aus dem Gleichgewicht. Diese Jugendlichen können keine Beziehungen eingehen oder halten. Sie fallen aus sozialpädagogischen Wohngemeinschaften ebenso wie aus Arbeitsprojekten heraus, werden straffällig. Viele der von uns betreuten Jugendlichen haben auch psychische Probleme.

Natürlich gibt es auch Wünsche und Anregungen für die Zukunft.
So wird z.B. seit Jahren auf den Mangel einer betreuten Unterbringungsstätte für junge Erwachsene hingewiesen. Notwendig seien auch mehr Möglichkeiten für die ambulante Betreuung von Jugendlichen und deren Familien, denn oft müssen kritische Fälle über einen längeren Zeitraum ohne geeignete Unterstützungsform begleitet werden. „Wichtig wäre auch die Einrichtung eines wiederholt tagenden Forums in Salzburg, z.B. eine jährlich stattfindende Tagung oder ein Symposium, welches sich mit der Entwicklung der Jugend und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Angeboten im psychosozialen Kontext beschäftigt“, so Janjic-Baumgartner

Noch Fragen?

Stand: 5.3.2015, Richilde Haybäck